Portraitshooting in Vietnam

Glaubt es mir oder nicht, aber die folgenden Bilder entstanden nicht in einem Shooting. Und ich hatte auch kein Model engagiert. Wir saßen grad verstreut auf dem Boot, welches uns durch die Halong Bay fuhr. Einige Teilnehmer fotografierten an Deck, andere dösten unter Deck, wiederum anderen hingen ihren Gedanken nach, so wie ich. An der seitlichen Tür des Schiffes stand unser Fahrer, der uns auf unserer mehrtägigen Rundreise chauffierte, und hing wohl ebenfalls seinen Gedanken nach („Alpha-Phase“ 😉 ). Was soll ich sagen?! Den Typen kann man vermutlich nachts um halb zwei wecken und in Hanoi auf die Straße stellen und er strahlt trotzdem eine Fotogenität aus (wenn es das Wort noch nicht gäbe, hätte er es vermutlich erfunden), dass jeder Fotograf das Sabbern anfängt. So auch in dieser Situation auf dem Boot, nur war ich der Einzige, der sabberte, der Rest war abgelenkt. Und so brach ich mit meinen Prinzipien und zögerte nicht lang, näherte mich ihm und fotografierte. Er tat unbeeindruckt, kannte diese Prozedur wahrscheinlich schon aus den letzten Tagen von meinen Mitreisenden, und blieb weiter fotogen und lässig. Und ich freute mich wie Bolle… Weiterlesen

#32 leser

Totgesagte leben bekanntlich länger. Auf der anderen Seite habe ich immer felsenfest behauptet, dass dieses Projekt nicht vorbei ist, es ruht lediglich. Tatsächlich fehlte mir in der Vergangenheit oft die Zeit, manchmal der Mut, um dieses Projekt fortzuführen. Aber, der Schwung, die Motivation und die Lust, die ich von meinem Vietnamtrip mitgebracht habe, bewegten mich dazu, dieses Projekt wieder aufzunehmen. Aber es brauchte zwei Anläufe, um das erste Bild zu machen. Donnerstag war ich bereits einmal in der Stadt, um ein Straßenportrait zu machen. Aber es gelang nicht. Am Freitag dann, in eng bemessener Zeit, der zweite Versuch, und siehe da, es klappte! Ich bin glücklich…

Ich trottete dieses Mal nicht durch die Fußgängerzone, sondern an der Neckarwiese längs. Mir fiel mein heutiger Protagonist ziemlich schnell auf, aber ich suchte erst einmal weiter und ging die Neckarwiese längs. Es bot sich kein anderes Gesicht an und so stellte ich mich in die Nähe von diesem Herren und beobachtete ihn (und diskutierte innerlich, ob ich mich trauen würde). Er saß auf einer Parkbank, unbeeindruckt von seinem Umfeld, und las ein Buch. Sein äusserliches Auftreten und die Tatsache, dass er ein Buch las, machten mich auf ihn aufmerksam und nach einiger Zeit bewegte ich mich auf ihn zu und sprach ihn an. Sein freundliches, aber misstrauisches „was will der junge Mann denn nu“-Gesicht entgegnete ich mich meinem Bildwunsch. „Und jetzt muss ich posen, oder wie?“ war daraufhin seine Frage. Ich bat ihn, noch einmal die Lesepose einzunehmen und machte zwei Bilder. Glücklich und zufrieden übergab ich ihm noch meine Visitenkarte mit der Adresse meines Blogs (liebe  Gruß an dieser Stelle 😉 ) und wünschte ihm noch einen schönen Tag.