#32 leser

Totgesagte leben bekanntlich länger. Auf der anderen Seite habe ich immer felsenfest behauptet, dass dieses Projekt nicht vorbei ist, es ruht lediglich. Tatsächlich fehlte mir in der Vergangenheit oft die Zeit, manchmal der Mut, um dieses Projekt fortzuführen. Aber, der Schwung, die Motivation und die Lust, die ich von meinem Vietnamtrip mitgebracht habe, bewegten mich dazu, dieses Projekt wieder aufzunehmen. Aber es brauchte zwei Anläufe, um das erste Bild zu machen. Donnerstag war ich bereits einmal in der Stadt, um ein Straßenportrait zu machen. Aber es gelang nicht. Am Freitag dann, in eng bemessener Zeit, der zweite Versuch, und siehe da, es klappte! Ich bin glücklich…

Ich trottete dieses Mal nicht durch die Fußgängerzone, sondern an der Neckarwiese längs. Mir fiel mein heutiger Protagonist ziemlich schnell auf, aber ich suchte erst einmal weiter und ging die Neckarwiese längs. Es bot sich kein anderes Gesicht an und so stellte ich mich in die Nähe von diesem Herren und beobachtete ihn (und diskutierte innerlich, ob ich mich trauen würde). Er saß auf einer Parkbank, unbeeindruckt von seinem Umfeld, und las ein Buch. Sein äusserliches Auftreten und die Tatsache, dass er ein Buch las, machten mich auf ihn aufmerksam und nach einiger Zeit bewegte ich mich auf ihn zu und sprach ihn an. Sein freundliches, aber misstrauisches „was will der junge Mann denn nu“-Gesicht entgegnete ich mich meinem Bildwunsch. „Und jetzt muss ich posen, oder wie?“ war daraufhin seine Frage. Ich bat ihn, noch einmal die Lesepose einzunehmen und machte zwei Bilder. Glücklich und zufrieden übergab ich ihm noch meine Visitenkarte mit der Adresse meines Blogs (liebe  Gruß an dieser Stelle 😉 ) und wünschte ihm noch einen schönen Tag.

Fotoprojekt füttern

Ich habe, nach einer kleinen kreativen Pause ;-), ein drittes Bild für die „Findungsphase“ meines möglichen Fotoprojektes gemacht. Zur Abwechslung mal ist es nicht 100% gelungen. Es ist nicht so scharf wie ich es wollte, aber scheitern ist schließlich auch ein Gewinn, wenn man es zu nutzen weiß. Fazit für mich: Nächstes Mal Protagonisten bitten, stillzuhalten (alternativ: festnageln 😉 )…

Autoliebhaber01a

Fotoprojekt

Ich liebe die Fotografie! Ich liebe meine 5d markII! Toll, toll, toll!

Nein, Drogen sind nicht im Spiel, nur Euphorie. Wieso das alles? Der Reihe nach…
Vor 3 Jahren hat Markus Schwarze ein Fotoprojekt durchgeführt, welches er Picture of the Day nannte. Ich bin irgendwann im letztes Drittel dieses Projektes auf ihn, sein Projekt und seine dazugehörige Website gestossen. Markus hatte sich vorgenommen, jeden Tag ein Bild zu machen und zu veröffentlichen. Ziemlich bald bemerkte er, dass er am liebsten Menschen fotografiert, und hat sich daraufhin im Projekt nur noch auf Portraits konzentriert. Er ist – meist in der Mittagspause – losgezogen und hat Menschen auf der Straße angesprochen und sie fotografiert. Entstanden sind tolle interessante und sehenswerte Portraitaufnahmen, die er dann online stellte.
Was hat das nun mit mir und meiner Euphorie zu tun?
Ich spiele momentan mit dem Gedanken, ähnliches auch zu tun. Ich weiß noch nicht, wie es genau aussehen wird, aber es soll um Menschen gehen, regelmäßig sein und mit Fotografie zu tun haben :-). Zu diesem Zwecke bin ich letztes Wochenende losgezogen und habe – im besten Markus-Stil – Menschen auf der Straße angesprochen und sie fotografiert. Ich wollte erst einmal nur wissen, wie es sich anfühlt, wie es abläuft, worauf ich achten muss, was möglich ist und wie die Menschen reagieren. Und ich muss sagen, das is schon irgendwie cool. Natürlich gab es Menschen, die nicht fotografiert werden wollten. Aber ich hatte auch zwei, die sich bereit erklärten. Diese beiden Bilder möchte ich euch hier und jetzt präsentieren. Sie sind grad frisch auf die Festplatte geschrieben und das ist der Grund, wieso ich mich so freue. Sie sind jetzt sicher nicht DIE Portraits, aber sie erfüllen einige Ziele, die ich damit erreichen wollte und daher freue ich mich, dass sie was geworden sind. Da das alles noch in der BETA-Phase ist, trägt es den Arbeitstitel „Gesichter“ und ist mit „a b c …“ numeriert.

#a Captain01a#1 Captain
Mein erstes Ziel war dieser nett schauende Mann. Ich saß am Jungfernstieg in Hamburg, fror mir den Allerwertesten ab und überlegte, wie man solch ein Projekt umsetzen könnte, und sah mich dabei nach passenden Gesichtern um. Einer der wenigen zu dieser Jahreszeit noch fahrenden Alsterdampfer machte gerade fest und ein Schiffsangestellter verabschiedete und begrüßte alte und neue Fahrgäste. Dank einer langen Leitung kam ich erst auf die Idee, von ihm ein Foto zu machen, als das Schiff gerade dabei war, wieder abzulegen :-(. Eine Dreiviertelstunde später kam es aber wieder und ich nutze die Gelegenheit. Hin, Vorhaben erklärt und gefragt, ob ich ihn fotografieren dürfte. „Ja, kannst machn“ war die im breitesten Hamburgisch vorgetragene Antwort. Als er das Ergebnis sah, meinte er noch „sieht besser aus als das, das die Bild-Zeitung von mir gemacht hat, das war Mist“. Ich weiß also, wo ich mal anfangen kann, wenn ich als Ingenieur nichts mehr tauge :-).

#a FamilyGuy01a#2 Family Guy
Beim zweiten Bild bin ich in die Europapassage gegangen. Ich wollte eigentlich ein Bild vor einer breiten Treppe aufnehmen und positionierte mich an dieser. Nach einiger Zeit hatte ich diesen Mann gesehen und war mir sofort sicher, dass ich von ihm ein Bild machen wollte. Er steuerte aber direkt mit seiner Ehefrau und drei Töchtern in ein Schuhgeschäft, konnte also länger dauern :-). Von dem Schuhgeschäft ging es zwar schnell, aber nicht weniger zielsicher in ein zweites Geschäft und es hieß für mich wieder warten. Nach einer Ewigkeit von 15min (15min sind durchaus eine Ewigkeit, wenn du dieses Foto auf Biegen und Brechen machen möchtest) kam er mit seiner Familie wieder raus und steuerte direkt auf mich zu. Zu meiner Überraschung sprach er englisch, was mich in die Verlegenheit brachte, dass ich mein Vorhaben im Englischen erklären musste. Es hat sich wohl aber auch im Englischen ausreichend gut angehört und so konnte ich mein zweites Protraitfoto machen.