#32 leser

Totgesagte leben bekanntlich länger. Auf der anderen Seite habe ich immer felsenfest behauptet, dass dieses Projekt nicht vorbei ist, es ruht lediglich. Tatsächlich fehlte mir in der Vergangenheit oft die Zeit, manchmal der Mut, um dieses Projekt fortzuführen. Aber, der Schwung, die Motivation und die Lust, die ich von meinem Vietnamtrip mitgebracht habe, bewegten mich dazu, dieses Projekt wieder aufzunehmen. Aber es brauchte zwei Anläufe, um das erste Bild zu machen. Donnerstag war ich bereits einmal in der Stadt, um ein Straßenportrait zu machen. Aber es gelang nicht. Am Freitag dann, in eng bemessener Zeit, der zweite Versuch, und siehe da, es klappte! Ich bin glücklich…

Ich trottete dieses Mal nicht durch die Fußgängerzone, sondern an der Neckarwiese längs. Mir fiel mein heutiger Protagonist ziemlich schnell auf, aber ich suchte erst einmal weiter und ging die Neckarwiese längs. Es bot sich kein anderes Gesicht an und so stellte ich mich in die Nähe von diesem Herren und beobachtete ihn (und diskutierte innerlich, ob ich mich trauen würde). Er saß auf einer Parkbank, unbeeindruckt von seinem Umfeld, und las ein Buch. Sein äusserliches Auftreten und die Tatsache, dass er ein Buch las, machten mich auf ihn aufmerksam und nach einiger Zeit bewegte ich mich auf ihn zu und sprach ihn an. Sein freundliches, aber misstrauisches „was will der junge Mann denn nu“-Gesicht entgegnete ich mich meinem Bildwunsch. „Und jetzt muss ich posen, oder wie?“ war daraufhin seine Frage. Ich bat ihn, noch einmal die Lesepose einzunehmen und machte zwei Bilder. Glücklich und zufrieden übergab ich ihm noch meine Visitenkarte mit der Adresse meines Blogs (liebe  Gruß an dieser Stelle 😉 ) und wünschte ihm noch einen schönen Tag.

#31 heidelberg24

#31heidelberg24
Die heute abgebildete Person traf ich – ihr glaubt es kaum – in der Fußgängerzone in Heidelberg (ist nunmal ein gutes Pflaster). Wir unterhielten uns eine ganze Weile über dies, das, Gott und die Welt und die Fotografie, speziell über mein Projekt. Man glaubt gar nicht, wie schnell die Zeit vergeht, wenn man so am schnacken ist. Dass das Wetter zwischenzeitlich von bedeckt und angenehm warm auf regnerisch aber ausreichend warm umschwang, störte uns relativ wenig. Im Gespräch erfuhr ich, dass sie beim Newsportal heidelberg24.de arbeitet. Kannte ich vorher auch nicht. Wie der Name es schon vermuten lässt, ist es ein regionales Newsportal, welches, wie der Name nicht zwingend vermuten lässt, noch recht neu auf dem Markt ist – sie sind im Juli online gegangen. Und wir haben etwas interessantes festgestellt: Wenn wir Menschen fotografieren (sie in ihrem Job, ich für das Projekt), suchen wir tendenziell eher Menschen des gleichen Geschlechts, also sie Frauen, ich Männer. Da würde mich mal interessieren, wie es sich bei anderen Fotografen, die ähnliches machen, verhält.

#30 die drei mit den locken

#30diedreimitdenlockenNein, ich versuche nicht, meine Statistik zu schönen, indem ich Menschen einmal mit und einmal ohne Brille fotografiere. #30 ist der Zwillingsbruder von #28. Als ich gerade mit Bild #28 und #29 fertig war, sagte sie mir „da vorne kommt sein Zwillingsbruder, den kannst du auch noch fotografieren“. Ich drehte mich um und musste nicht wirklich lange suchen, um ihn in der Menschenmenge zu entdecken. Ich erklärte ihm noch einmal kurz, was ich vorhatte, und auch er willigte ein. Nachdem ich mir von den drei die Einwilligung für den Upload auf meinen Blog eingeholt hatte und ihnen meine Visitenkarte gegeben hatte, ging ich weiter meines Weges. Ich versuchte, ein wenig schneller zu gehen, in der Hoffnung, dass ich das Pärchen, welches ich ursprünglich ansprechen wollte, noch einholen kann. Und tatsächlich, nach ein paar 100 Metern tauchten sie vor mir auf. Aber es sollte wohl nicht sein. Kurz bevor ich sie erreichte fing es dermaßen an zu regnen, dass ich mich unterstellen musste (ich hielt es für einen schlechten Zeitpunkt, meiner Camera einem Spritzwassertest zu unterziehen). Als der Regen aufhörte, waren die beiden bereits weitergegangen und so entschied ich mich, mit drei Bildern Ausbeute zufrieden zu sein.

#29 die drei mit den locken

#29diedreimitdenlockenAlso, wie war das denn mit nun den drei und dem Aufeinandertreffen? Ich ging durch die Hauptstraße in Heidelberg, hielt nach Gesichtern Ausschau und sah ein Pärchen auf mich zukommen. Beide waren recht alternativ gekleidet, wobei sie barfuß unterwegs war. Ich entschied mich, den beiden zu folgen und sie um ein Bild zu bitten. Da meine lange Leitung wieder engagiert mit dabei war, hatten sich die beiden bereits ein wenig von mir entfernt, als ich mich auch endlich in Bewegung setzte. Als ich kurz davor war, auf ihrer Höhe zu sein, blickte ich kurz nach links und sah meine Nummer #28 und #29 an der Seite vor einem Geschäft stehen. Ich ging zwar weiter geradeaus, mein Blick blieb aber bei den beiden kleben (muss für Aussenstehende ziemlich komisch ausgesehen haben). Kurzerhand entschloss ich mich, das „alternative Pärchen“ ziehen zu lassen und die beiden um ein Bild zu bitten. Er schaute zuerst ein wenig skeptisch und verwundert, auf seiner Stirn war ziemlich deutlich der Satz „was spricht der Typ mich auf offener Straße an“ zu lesen :-), aber als ich ihnen erzählte, was ich vorhatte, willigten beide sofort ein und ich durfte mein Bild machen. Meine heutige Komparsin, die übrigens einen schönen türkischen Namen hat, den ich aber wegen der Anonymität hier nicht nennen werde (sorry!), schaute erst entspannt und neutral in die Kamera, musste dann aber ob der kuriosen Situation, auf der Straße angesprochen worden zu sein, anfangen zu grinsen. Der Fotograf dankt :-).

#28 die drei mit den locken

#28diedreimitdenlockenIch verkneife mir jetzt bissige Kommentare, die in Richtung meines Eifers, mit dem ich dieses Projekt verfolge, zielen, und komme direkt zum Bild :-). Ich habe gestern wieder ein paar Kilometer auf der Hauptstraße in Heidelberg gesammelt, um ein wenig Streetfotografie zu betreiben und ggf. auch das ein oder andere Projektbild zu schießen. Ich finde es enorm schwierig, mit zwei Bildideen – Street und Gesicht – nach Fotogenem Ausschau zu halten. Daher versuchte ich, in der ersten Hälfte mit der Kleinen in der Hand zu streeten, um in der zweiten Hälfte mit der Großen bewaffnet interessante Gesichter zu erspotten. Wenn man sich so sehr auf ein Bildziel verbohrt, kann es schon einmal passieren, dass man ein interessantes Gesicht sieht, welches man gut hätte fotografieren können, es aber im Hirn nicht ausreichend *klick* macht, um die Person auch anzusprechen. Für den  – viel zu späten – Gedanken „das wäre ein cooles Portrait geworden“ reichte es aber noch (schönen Gruß von meiner langen Leitung). Aber nichts desto trotz war ich heute erfolgreich, und zwar gleich dreifach. Heute zeige ich euch das erste Bild, die anderen folgen in den nächsten Tagen. Da es bei drei Bildern, die jeweils eine Person zeigen, die aber alle einer Menschengruppe angehören, schwer ist, drei Geschichten dazu zu erzählen, habe ich mir überlegt, bei Bild 1 ein wenig zu schwafeln und mir die Story, wie ich die drei getroffen habe, für Bild 2 aufzubewahren. Bei Bild 3 improvisiere ich dann was :-).

#27 worldfly

#27worldfly
Ja, das Projekt gibt es auch noch :-). Aufgrund von Servicebedarf der Großen, Zeitmangel, und einfach-nicht-fotografieren ist es in den letzten Monaten mehr als still um das #101gesichter-Projekt geworden. Das ständige Nachfragen von euch zeigte mir aber regelmäßig, dass ihr das Projekt nicht vergessen habt. Zum Glück, denn heute gibt es endlich mal wieder ein neues Bild aus der Serie. Ich war heute Nachmittag in der Heidelberger Innenstadt, weil ich wusste, dass die Band Worldfly dort am Theaterplatz Musik machen würden, um ihr Konzert in zwei Tagen zu promoten. Ich habe Worldfly das erste Mal vor einem Jahr in der Hauptstraße von Heidelberg spielen gesehen. Angetan von der Musik kaufte ich ihr Album und besuchte zwei Konzerte von ihnen. Worldfly kommen aus Australien und haben durch die Studienzeit des Sängers Verbindungen zu Heidelberg, weswegen sie sich während der Sommermonate hier aufhalten, Konzerte geben und rumreisen. Dieses Jahr sind sie wieder in Heidelberg und ich suchte wieder in der Hauptstraße auf, um unter anderem Karten für ihr Konzert zu kaufen. Ich unterhielt mich bei der Gelegenheit ein wenig mit Stewart, dem Bassisten. Im Laufe des Gesprächs meinte er (auf englisch) „sag mal, haben wir uns nicht schon letztes Jahr unterhalten?“ – ich war nicht wenig überrascht, dass er sich daran noch erinnerte. Wir schwärmten daraufhin zusammen vom letzten Jahr, von deren beiden Konzerten etc. Heute war ich, wie gesagt, wieder in der Hauptstraße, um sie mir anzuschauen. Nachdem sie 45min gespielt hatten, kam Stewart direkt auf mich zu und begrüßte mich. Wir unterhielten uns ein wenig über Gott und die Welt und ich fragte ihn am Ende, ob ich dieses Foto machen dürfte. Hat geklappt :-). Nun freue ich mich auf das Konzert am Donnerstagabend.
P.S.: Bassisten sind die coolsten :-).

#26 world vision

#26worldvision

Nach einer kleinen Pause gibt es heute mal wieder ein Portraitbild. Ich war bei bestem Frühlingswetter in der Heidelberger Innenstadt unterwegs und traf dort unter anderem auf Larry. Wir redeten kurz und er erzählte mir, dass er ab nächster Woche nicht mehr in Heidelberg ist sondern andere deutsche Städte aufsuchen möchte. Ich habe mich mittlerweile fast dran gewöhnt, dass ich bei meinen fotografischen Streifzügen durch die Altstadt von Heidelberg früher oder später seinen kräftige Stimme höre, ich bei ihm stehenbleibe und wir dann ein paar Worte schnacken.
Nun aber zum heutigen Bild: Direkt neben Larry war ein Stand von World Vision aufgebaut, an dem vier junge Menschen Passanten ansprachen, informierten und  nicht zuletzt auch um Spendengelder baten. Ich hatte eigentlich wenig Lust auf solch ein Gespräch, finde solche Initiativen und Organisationen aber grundsätzlich gut, ich blieb also stehen und dachte mir „ok, hörste dir kurz an und dann geht’s weiter“. Und zack, ne dreiviertel Stunde später ging ich auch schon weiter meines Weges, klasse hinbekommen, Herr Jürgens! Aber ich muss gestehen, ich fand die Organisation wirklich interessant, meine Gesprächspartnerin sympathisch und das Gespräch angenehm. Klar, es ging darum, mich als Spender anzuwerben. Aber die Vorgehensweise war nicht blöd. Statt direkt zu bewerben, wie toll World Vision sei, was sie alles wichtiges machen etc. fragte sie mich erst einmal, wer ich sei, was ich mache und so weiter. Psychologisch gesehen nicht blöd, bei mir hat’s zumindest gewirkt :-). Um nicht am Ende mit komplett leeren Händen da zu stehen, bat ich sie um ein Bild, wozu sie trotz des üblichen „Ich-bin-unfotogen“ Geredes einwilligte. Ich nutzte die Gelegenheit, mal ein Portraitbild mit Gegenlicht zu machen, was – wenn ich mir das Ergebnis anschaue – seine Vor- und Nachteile hat. Ach ja, kleiner Hammer noch am Schluss, der mich echt sprachlos machte: Sie sagte, der deutsche Sitz der Organisation wäre bei Frankfurt, glaubt sie. Sie wisse es aber nicht genau, weil in Norddeutschland kennt sie sich nicht so gut aus. Frankfurt! Norddeutschland! Ich war baff, das sag ich euch! Als Erklärung: Sie kam aus Bayern…

#25 les trois rois

#25lestroisrois

Am letzten Tage unseres Basel-Wochenendes wollte ich die Chance nutzen, nochmal ein „echtes“ Portraitbild zu machen. Und wen habe ich erwischt? Den Hausmeister der dortigen Jugendherberge ;-). Ich hatte ihn bzw. seinen Kollegen schon an den Tagen davor gesehen, es bot sich nur nie die Gelegenheit, zu ihm zu gehen. Heute, alleine unterwegs, war er mein erstes Ziel. Ich hatte Glück, er hatte gerade keine Gäste, so sprach ich ihn an. Entgegen der Wirkung auf dem Bild wirkte er recht schüchtern und wollte auf meinen Information hin, dass ich das Bild auf meinem Blog veröffentlichen würde, erst seine Zustimmung zurückziehen. Mein Hinweis, dass ich aus Heidelberg käme und wohl keiner aus Basel ihn auf dem Bild entdecken würde, stimmte ihn dann aber doch um.

#23 alter löwe

#23alterloewe

Das dritte Bild aus der Fasnachtsreihe. Es heißt „Alter Löwe“. Wieso Alter Löwe? Ganz einfach und kurz erzählt: Eine Sache, die mich bei diesem Bild stört, ist die Tatsache, dass das Fell dieses Löwens nicht weiß ist. Das liegt sicherlich nicht daran, dass der Erbauer dieser Maske schlechtes Fell genommen hat, welches nicht weiß glänzt sondern nur grau (weil recycelt?), sondern an der Automatik der Camera (und dem Typen, dem das Auge gehört, das durch den Sucher schaut). Ich habe in letzter Zeit, entgegen meiner Gewohnheit, immer mal wieder nicht manuell fotografiert, sondern ein wenig die Automatik bemüht. Bedeutet, ich stelle nicht Blende, Zeit und ISO selber ein, sondern lasse die Camera einen Teil (entweder, Blende, oder Zeit oder ISO oder zwei der Dinge) entscheiden. Ich hasse diese Automatiken normalerweise, weil ich gerne sichergehen möchte, dass das Bild auch so wird wie ich es mir vorstelle. Stelle ich die Camera selber sein, weiß ich, dass ich mich bewegen kann oder die Camera verschwenken kann, die Lichtausbeute bleibt die gleiche, weil Blende, Zeit und ISO gleich bleiben. Bei der Automatik kommt meiner Meinung nach immer ein Unsicherheitsfaktor dazu. Hat man mal mehr Himmel auf dem Bild als auf dem vorigen, säuft dir auf einmal der Rest des Bildes ab, weil die Camera versucht, den hellen Himmel mit zum Beispiel einer kürzeren Belichtungszeit auszugleichen. Klar, wenn man die Automatiken beherrscht und weiß, wie sie ticken, kann man das umgehen, aber auch wirklich nur dann :-). Aber ich gebe zu, wenn man wechselnde Lichtsituationen (bestes Beispiel: Bewölkter Himmel mit schnell wandernden Wolken, da kannste verrückt werden) hat und schnell reagieren muss, ist die Automatik ein Segen (wenn man sie beherrscht…). Lange Rede, kurzer Sinn: Ich habe heute mit Automatik fotografiert und es auf dem obrigen Bild vergeigt. Aber wieso? Die Camera versucht immer, wenn sie weiß sieht, weiß nicht weiß darzustellen, sondern tendenziell grau (genau: 18% grau), also hellgrau. Das sieht in der Regel sehr passend aus, ausser bei zwei Ausnahmen: Bei Hochzeiten, wenn du das Hochzeitskleid der Braut fotografierst, und beim Allschwiler Fasnachtsumzug, wenn du den Löwen fotografierst (wer kennt diese Situation nicht…). Dann ist der Löwe kein Löwe mehr, sondern ein alter Löwe, weil 18% grau angelaufen. Dem hätte man vorbeugen können, indem man der Camera sagt, dass sie ein wenig überbelichten soll, dann wäre grau wieder weiß. Hab ich aber nicht, und deswegen ist der Löwe nun ein alter Löwe.